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Aktueller Rundbrief

Rundbrief im August 2011

Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde des Kinderschutzbundes,

im dritten Quartal des Jahres 2011 möchten wir Sie über folgende Themen informieren:

1. Bildung statt Bürokratie
2. Kinderschutzbund gibt Kurse zu Gewaltprävention an Hellersdorfer Schule
3. Weltspieltag 2011
4. Abenteuerreise für Kinderschutzbund-Kinder
5. Kiwanis Club spendet Schulranzen
6. Das Beste zum Schlus

1. Bildung statt Bürokratie
Das von der Bundesregierung beschlossene  Bildungspaket für Kinder aus armen Familien ist aus Sicht des Berliner Kinderschutzbundes ein riesiger Flop. Verantwortlich für das Scheitern des so genannten Bildungspaketes sind jedoch nicht, wie oft behauptet, die unfähigen oder unwilligen Eltern. Vielmehr sorgt das bürokratische Antragsverfahren dafür, dass die Nachfrage so gering ist. Der Fehler liegt also im System.  Das wiederum bedeutet, dass von den versprochenen Leistungen nur wenig dort ankommt, wo Bildung dringend gebraucht wird – bei den Kindern. Den Eltern dafür die Schuld zu geben, finden wir ehrlich gesagt eine Frechheit.

Die meisten Eltern sind schlicht verzweifelt angesichts des bürokratischen Irrsinns. In Berlin müssen Eltern beispielsweise erst einmal einen „Berlin Pass“ beantragen. Erst dann können sie Anträge auf Erstattung von z.B. Ausflugskosten, Mittagessen oder Lernförderung bei Schulen, Kitas und freien Trägern der Jugendhilfe stellen.  Darin muss beispielsweise jeder Ausflug belegt und abgerechnet werden. An diesem „bürokratischen Monster“ verzweifeln sowohl die Eltern, aber auch Schulen, Kitas und freie Träger. Daher fordert der Berliner Kinderschutzbund ein sofortiges Umsteuern.
Die Hilfe für benachteiligte Kinder muss endlich unbürokratisch und direkt organisiert werden. Damit das Recht der Kinder auf Bildung erfüllt werden kann, wünschen wir uns, dass Kitas, Schulen und freie Träger der Jugendhilfe endlich gut ausgestattet werden bzw. entsprechende Gelder zur Verfügung bekommen.

Doch das Recht auf Bildung ist nach Meinung des Kinderschutzbundes „nur“ ein wichtiges Recht, was von der derzeitigen Bundesregierung missachtet wird. Denn darüber hinaus gibt es auch noch das Recht der Kinder auf soziale Sicherheit. Durch das Ignorieren dieser beiden existentiellen Rechte, bestraft die Bundesregierung Kinder aus armen Familien doppelt. Zum einen, in dem sie die Hürden zum Erreichen von Bildung immer höher setzt, statt Bildungsinstitutionen gut auszustatten. Und zum anderen, weil sie Familien die ihnen zustehende Grundsicherung nach wie vor verweigert.

2. Kinderschutzbund gibt Kurse zu Gewaltprävention an Hellersdorfer Schule
Über den Präventionsbeauftragten der Polizei erreichte unsere Beratungsstelle  die Anfrage, ob es möglich wäre, an einer Schule Kurse zum Thema „Gewalt“ durchzuführen.

Obwohl tagtäglich mit diesem Thema befasst, hatten die Kolleginnen der Beratungsstelle etwas Ähnliches noch nie gemacht. Entsprechend gut vorbereitet standen sie dann vor zwei 8. und 9. Klassen einer Sonderschule in Hellersdorf. Für den Workshop waren zwei Tage angesetzt – und wie sich zeigte, war das viel zu wenig. Denn der Gesprächsbedarf war groß. Die Gruppen der jeweils 20 Mädchen und Jungen waren sehr unterschiedlich und somit auch ihre jeweiligen Probleme. Bei beiden Gruppen herrschte anfangs großes Misstrauen. Doch darauf hatten sich die Kolleginnen eingestellt. Um die Situation aufzulockern und das Misstrauen abzubauen, stiegen sie schnell in die „praktische Arbeit“ ein. Los ging es mit Fragen wie: „Was für Gewaltformen kennt ihr?“, „Woran merkt ihr, dass ihr wütend werdet?“, „Was macht ihr, wenn ihr richtig sauer seid?“

Trotz langjähriger Erfahrung in der Beratungsarbeit war es für beide Kolleginnen erschreckend, über wie viel Gewalterfahrung die 13-14jährigen bereits verfügen. Noch erschreckender war jedoch, wie wenig „Lösungsalternativen“ ihnen in Gewaltsituationen einfallen. Bei fast allen gilt: „Wenn Du mich provozierst, schlage ich zu!“. Daher übten die Jugendlichen in Rollenspielen ganz praktisch, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten können. Zum Beispiel: Ich begegne auf der Straße drei Jugendlichen, die nach „Stunk“ aussehen – was kann ich tun, um mich zu schützen? Diese Situation wurde dann in verschiedenen „Eskalationsstufen“ durchgespielt. Nach der anfänglichen Zurückhaltung tauten die Mädchen und Jungen immer mehr auf und entwickelten für sich gute Strategien, wie und wo sie sich Hilfe holen können oder wie sie Auseinandersetzungen aus dem Weg gehen können. Ganz deutlich wurde an beiden Tagen, dass die Jugendlichen das Thema „Gewalt“ extrem beschäftigt.  Beeindruckend war, dass alle Gruppen mit großer Konzentration bei der Sache waren– und das ist keine Selbstverständlichkeit und verdient ein riesiges Lob. Auf die Frage an einen Jugendlichen, was er nach zwei Tagen für sich aus dem Kurs mitnehme, antwortete er: „Wer schlägt, ist selbst ein Opfer!“ Da können wir nur sagen: Super. Setzen. Eins!

3. Weltspieltag 2011
Auch in diesem Jahr nutzte der Berliner Kinderschutzbund den Weltspieltag, um daran zu er-innern, dass auch Stadtkinder ein „Recht auf Spielen im öffentlichen Raum“ haben. Getreu dem diesjährigen Motto: „Spielorte neu entdecken!“ verwandelten wir am 27. Mai 2011 die Amsterdamer Straße in einen großen „Spielplatz“. Zum dritten Mal boten der Deutsche Kinderschutzbund LV Berlin und das Kinder- und Jugendbüro Mitte am Weltspieltag im Wedding auf einem Straßenfest Spiel und Spaß für kleine (und große) Menschen. Einen ganzen Nachmittag hieß es hier: „Spielen und toben erlaubt – Autos müssen leider draußen bleiben.“ Mit diesem bunten Straßenfest wirbt der Kinderschutzbund alljährlich für mehr Platz und Plätze, an denen Kinder sicher spielen können.

Denn laut Artikel 31 der Kinderrechtskonvention haben Kinder das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung. Aber tagtäglich bekommen Kinder Ärger, wenn sie draußen spielen, weil sie angeblich zu laut sind. Nach wie vor fehlen in Berlin ausreichend Spielstraßen und Freiflächen zum Toben vor der Haustür. Autos rasen durch verkehrsberuhigte Straßen, so dass an sicheres Spielen auch hier nicht zu denken ist. Daher fordert der Berliner Kinderschutzbund, endlich autofreie Straßen zu schaffen, in denen Kinder gefahrlos kicken, Roller fahren, Verstecken oder Fangen spielen können, so dass in dieser Stadt endlich gilt: Vorfahrt für die Kinder!

4. Abenteuerreise für Kinderschutzbund-Kinder
Gut eine Woche vor Beginn der Sommerferien war die Aufregung in unserem „Kinder-Kiez-Zentrum“ groß. Eine Gruppe von 16 Kindern bereitete sich auf ihre erste gemeinsame Reise vor. Für viele Kinder die erste Reise überhaupt. Voller Vorfreude kamen die 8- bis 12jährigen im Forsthof Schwarz in der Nähe der Mecklenburger Seeplatte an. Und ihre Erwartungen sollten nicht enttäuscht werden. Untergebracht in riesengroßen Zelten, gab es nicht nur ein tolles Gelände zum Spielen und Toben, einen See direkt vor der Nase, sondern auch noch ein super Programm.

Neben Kanu- und Mountainbike-Ausflügen stand auch eine Waldwanderung mit einem geschulten Guide an. Anfangs waren „unsere“ Weddinger Kinder von der Vorstellung, durch den Wald zu spazieren, gar nicht begeistert. Bereits nach 500 Metern maulten die Ersten. Doch dann entdeckten sie einen riesigen, alten  Baum im Wasser, auf dem man prima klettern konnte. Und das war erst der Anfang einer spannenden Tour. Schließlich waren die Kinder so mit Feuereifer dabei, dass ihnen ein „kleiner Umweg“ von 1,5 Stunden gar nicht mehr auffiel. Der Guide hatte schlicht einen Abzweig verpasst… Das wirkliche Highlight waren die „Highland-Games“. Unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen und fachkundiger Anleitung durften die Kinder sich beim Baumstammweitwurf, Hufeisen-Zielwurf, Axtwerfen (die Klingen waren natürlich stumpf), Speerwerfen und Bogenschießen ausprobieren. An diesem Nachmittag sind die Kinder buchstäblich über sich hinausgewachsen und waren zu recht mächtig stolz auf sich. Abends wurde dann immer zusammen im großen Gemeinschaftszelt gekocht und gegessen. Auch ein Erlebnis!

Kurz: Alle – sowohl Kinder wie auch Erzieherinnen - waren total begeistert und hätten nichts dagegen, im kommenden Jahr wieder auf Reisen zu gehen. An dieser Stelle ein ganz, ganz großes Dankeschön an die ALPHONS-VELISCH-Stiftung, die durch ihre Unterstützung diese Reise überhaupt erst möglich gemacht hat.

5. Kiwanis Club spendet Schulranzen
In den vergangenen Tagen wimmelte es in Kaufhäusern und Schreibwarenläden wieder von aufgeregten Eltern und Kindern. Alleine oder gemeinsam versuchten sie die langen Listen der Lehrinnen und Lehrer zum Schulanfang abzuarbeiten - neue Stifte, Hefte, Tuschkästen, Sportzeug und für die Schulanfänger auch noch einen Ranzen. Laut Berechnungen des Berliner Kinderschutzbundes kommen pro Kind zur Einschulung gut und gerne 300,- Euro zusammen. Viel Geld, das kaum eine „unserer“ Familien aufbringen kann. Umso mehr haben wir uns über einen Anruf des Kiwanis Club Berlin-Frohnau e.V. gefreut. Über einen Sponsor im Norden Deutschlands konnte der Kiwanis Club Schulranzen besorgen und wollte diese gerne an sozial benachteiligte Kinder weitergeben.

Das passte wunderbar. Denn in unserer Kita hieß es auch in diesem Jahr wieder für zahlreiche Vorschulkinder Abschied nehmen. Und so konnten im Rahmen einer sehr schönen Abschiedsfeier die Schulranzen dann offiziell übergeben werden. Natürlich wussten die Kinder vorher nichts von der Überraschung, sondern hatten im Vorfeld nur erfahren, dass sie von Gästen ein Geschenk erhalten würden. Als die Clubmitglieder, Margot Böhm und Volker Wieczorek, ihnen am Ende des Festes dann die pinkfarbenen und hellblauen Schulranzen überreichten, war die Freude groß. Voller Besitzerstolz nahmen sie ihre Ranzen in Empfang. Und bis heute ist nicht klar, wer danach mehr gestrahlt hat – die Kinder oder die großzügigen Spender. Wir danken dem Kiwanis Club Frohnau – und namentlich Margot Böhm und Volker Wieczorek – ganz, ganz herzlich. Mit dieser tollen Aktion haben sie den Kindern eine große Freude bereitet und ihnen den Schulstart um einiges erleichtert.

6. Das Beste zum Schluss
An dieser Stelle wieder eine wahre Begebenheit aus dem bewegten und bewegenden „Kinderschutzbund-Leben":

Während der Kinderreise beobachtete ein Kind, dass an dem benachbarten Tipi weiß-blaue Flaggen von Hertha BSC wehten. Daraufhin lief es ganz aufgeregt zu einer der Erzieherinnen und meinte:„Guck mal - an dem Zelt wehen auch Kinderschutzbund-Fahnen!“

Es grüßt Sie herzlich Ihr Kinderschutzbund Berlin

Sabine Walther
(Geschäftsführerin)